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Der Talkessel von Bad Reichenhall – umrahmt von Untersberg, Lattengebirge und den Berchtesgadener Alpen – im späten Abendlicht.

Foto: Manfred Abfalter

Exkursion der DAV-Sektion Bad Reichenhall ins Wintergatter

am 16.01.2026

Zu einer Exkursion zum Thema „Rotwild im Winter“ ins Wintergatter Atzenstadel haben die DAV-Sektion Bad Reichenhall und der Forstbetrieb Berchtesgaden eingeladen.

19 Teilnehmer konnten an diesem Nachmittag vieles zum Themenkreis Wild-Jagd-Naturschutz und Klimawandel von Betriebsleiter Dr. Daniel Müller und Revierjäger-Azubi Hannes Weber erfahren.

Anstoß für diese Informationsveranstaltung gab die Verlegung des Waxriessteig. Denn im unteren Bereich, wo dieser teilweise unmittelbar am Zaun des Wintergatters verlief, kam es vermehrt zu Störungen der Tiere.

Mit Beginn des Winters wird durch Fütterung das Rotwild in diese Art von Gehege gelockt und dann der Zaun geschlossen. Erst mit Beginn der Vegetationsperiode wird das Gatter wieder geöffnet und die Fütterung eingestellt. Ziel dieser Einrichtung ist es, Schäden durch Verbiss und Schälen der Rinde an Bäumen und jungen Forstpflanzen zu vermeiden. Damit die Tiere dort den Winter gut verbringen können, ist es notwendig Störungen durch Wanderer zu vermeiden. Da aber in den schneearmen Wintern  zunehmend viele Bergsteiger auf dem nahen Steig unterwegs sind, wurde dieser verlegt.

Dr. Müller und Hannes Weber konnten den Teilnehmern auch sehr viel zur Biologie des Rotwilds erklären: im Winter ändert es mit dem Haarwechsel die Farbe von Rot auf Grau, die Verdauungsorgane verkleinern sich und der Stoffwechsel reduziert sich erheblich. Daher ist es auch notwendig das Futter sehr genau auf die Bedürfnisse der Tiere abzustimmen. Das Verhalten dieser Wildart ist stark von Traditionen geprägt, es wird von den Müttern, Alttiere genannt, an ihre Kinder, die Kälber, weitergegeben. Die Tiere können enorme Strecken zurücklegen und besitzen auch genug Kraft um den stabilen Gatterzaun zu durchbrechen, wenn sie z. B. in Panik durch Eindringlinge ins Gatter geraten.

Auch über die Auswirkungen des Klimawandels wurde diskutiert. Das Wild bleibt im Winter aufgrund der geringen Schneehöhen zunehmend länger auf den Bergen oder bleibt oben. Das Angebot der Vollpension im Wintergatter ist nicht mehr attraktiv genug um dort zu überwintern. Die Menschen ändern auch ihr Verhalten und gehen mangels Schnee in den sonnigen Bereichen Wandern und Bergsteigen, weil Skitouren nicht möglich sind. Genau diese Lagen sind auch Wintereinstand des Wildes. Durch Störungen erhöht sich dessen Energieverbrauch, was wiederum zu erhöhtem Verbiss an den Bäumen führen kann. Besonders in der kalten Jahreszeit bleibt also der Appell an die Vernunft der Bergsteiger, im Bereich des Wintergatters nur den neuen Teil des Waxriessteigs zu benutzen und dort auch nicht im freien Gelände zu wandern.