Jugendmannschaft: Skitour im Adamello

Jungmannschaft


“Die Haute Route ist für dieses Jahr gecancelt!” - Zu wenig Schnee, blanke Gletscher, hohe Lawinengefahr und schlechte Wetterprognose - da hilft auch die riesige Portion Motivation und Vorfreude nichts….

 Na dann muss also Plan B her: Unsere Wahl fällt schließlich auf ein uns allen bislang unbekanntes Gebiet: Das Hochgebirge Adamello nördlich vom Gardasee.

Nach dem obligatorischen Espresso, einem ungewollten Abstecher in einem Steinbruch, dem Ausschaufeln unseres Parkplatzes und dem Rucksackpacken ( - ja warum sollte man das auch schon daheim machen?! - ) ist es dann doch schon etwas später als eigentlich geplant… Nach den ersten paar Metern folgen wir Abfahrtsspuren, die aber schon ziemlich alt sein mussten, denn wenig später müssen die Ski auf den schweren Rucksack und wir kämpfen uns durch das Waldgerödel - so hatten wir uns das eigentlich weniger vorgestellt: in 2 Stunden schaffen wir ganze 400 Höhenmeter! “Gut”, dass es schon fast Nachmittag ist und wir den Großteil noch vor uns haben.

Aber unsere Motivation ist ungebremst, zumal wir endlich wieder die Ski unter unsere Füße schnallen dürfen und ohne Bäume schaut die Geschichte auch gleich ganz anders aus. Höhenmeter für Höhenmeter legen unsere schnellen Jungs die Spur in das weite Kar des Val Folgorida. Der Schnee wird immer mehr und damit auch unsere Vorsicht. Beeindruckende Wumm-Geräusche im flachen Gelände lassen uns im diffusen Licht auf einen flacheren Rücken ausweichen. Nach einer kurzen Gratpassage rutschen wir auf der anderen Seite der Scharte über den flachen Gletscher um die letzten paar Höhenmeter zu erkämpfen, die sich schon ganz schön bemerkbar machen. Bei einbrechender Dunkelheit lehnen wir endlich unsere Ski an die Wand des Rifugio Lobbia Alta Ai Caduti dell`Adamello auf 3040m.

In der Wärme der gemütlichen, gut gefüllten Hütte und mit einem vollen Magen überkommt uns alle eine zufriedene Müdigkeit, der wir uns sogar ohne Schafkopfrunde geschlagen geben. Wie Steine fallen wir vor sämtlichen Schnarchern in die Stockbetten.

Als wir am nächsten Morgen durch die beschlagenen Fenster nach draußen blinzeln, breitet sich ein perfektes Panorama vor uns aus: blauer Himmel, strahlende Gletscher und leichte Schneefahnen an den Gipfeln in den ersten Sonnenstrahlen. Scheint ein echter Traumtag zu werden …

Wir lassen es zumindest beim Frühstück gemütlich angehen und starten deshalb als Letzte. Um alle Interessen unter einen Hut zu bringen, teilen wir uns auf in ein ambitioniertes Speedteam und die Genusstruppe. Erstere ist schon bald aus unserem Blickfeld verschwunden, um sämtliche Gipfel der Gegend abzuklappern. Wir haben auf dem weiten Gletscher genug Zeit das Szenario auf uns wirken zu lassen und anschließende den letzten steilere Gipfelaufschwung auf den Mt. Adamello (3539m) problemlos mit den Skiern zu bewältigen.

Ziemlich sprachlos sehen wir einigen Tourengehern zu, die sich mit den Latten auf dem Rücken durch das einfache Gelände quälen. Nagelneue Topausrüstung kann auch in Italien anscheinend nicht den Hausverstand ersetzen. Als sie dann auch noch mit Fellen abfahren, wenden wir uns lieber unserer Brotzeit zu und sitzen bei angenehmen Temperaturen ein Stündlein am Gipfel. Bei Sonnenschein beglückwünschen wir uns für unsere Tourenwahl, denn viele andere Gebirgsstöcke stecken in Wolken.

Die leider etwas kurze, aber super Abfahrt macht Lust auf mehr und nach einigem Gletschergerutsche müssen die Felle wieder rauf: wir sind uns einig, dass in dem einladenden Hang hinauf zur Cannone dell’Adamello eindeutig noch unsere Spuren fehlen. Die Vorstellung, dass Menschen die tonnenschwere Kanone auf den Grat geschleppt haben, erscheint uns unglaublich. Da verpulvern wir unsere Energie lieber bei der Topabfahrt im perfekten Powder.

Der Wettergott meinte es uns gut, da es erste auf den letzten paar Meter zur Hütte zu zieht. Zufrieden treffen auch bald unserer schnelleren Kameraden von ihrer Gipfelrunde über den Mt. Venezia, dem Corno Bianco und dem Mt. Adamello bei uns ein.

Nach einem erstklassigem Essen, steht einem feuchtfröhlichen Kartenabend nichts mehr im Weg. Bei einem Gespräch mit dem Hüttenwirt kramen wir sämtliche kläglichen Italienischkenntnisse hervor und als wir im unsere Aufstiegsroute vom Vortag zeigen, fragt er uns nur verwundert, wo wir denn biwakiert hätten, denn es gäbe ja keine offenen Hütten auf diesem Weg?! Aha.. alles klar!

Am nächsten Tag soll es wieder zurück zum Auto gehen. Bei schnell wechselnden Wolkenstimmungen wollen wir ins Larestal. Als wir aber bald in einer dichten Wolkendecke feststecken, erscheint uns das Herumgetappe im unbekannten Gelände bei wenigen Metern Sicht als zu riskant und wir queren zu unserer Aufstiegsroute. Einige können sich mit dieser gipfellosen Variante nur schwer anfreunden, doch auch diese stark gekürzte Etappe hält noch genug Herausforderung für uns bereit: Nach guten Bedingungen im Pulver und dann auf einem festen Deckel, wird es im Wald noch einmal richtig spannend. Tiefer Sulzschnee mit engen eingefahrenen Spuren lassen uns schwitzen.

Mit einem Rucksack voller schöner Eindrücke und der Vorfreude auf eine warme Dusche geht es wieder Richtung Heimat.

 

 
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