Edelweißabend

Sektion

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Fridolin Rausch war der „Leithammel der Jugend“


Bad Reichenhall (kb) – „So alt muss man überhaupt erst mal werden“, stellte Vereinsvorstand Christoph Sperger fest und gratulierte dem ältesten Jubilar des Abends: Fridolin Rausch. Der fast 95-jährige Reichenhaller trat im Jahre 1934 der Alpenvereinssektion Bad Reichenhall bei und wurde beim traditionellen Edelweißabend für 75 Jahre Mitgliedschaft geehrt. Weitere 83 Männer und Frauen erhielten Ehrenabzeichen für 25, 40, 50, 60 und 70 Jahre Zugehörigkeit zum Alpenverein. Alois Häusl, Leiter der DAV Seniorengruppe, ließ mit Dias die alten Zeiten noch einmal aufleben und Max Danzl von der „Goldtropfmusi“ spielte mit Musikantenfreunden auf.

 

 

 

Die Sektion verdanke Fridolin Rausch viel, betonte Vereinsvorstand Sperger. Der Reichenhaller hat sich unter anderem als Jungmannschaftsleiter engagiert, ist Träger des Ehrenedelweißes und unterstützte viele Jahre auch die Bergwacht. Werner Daller erinnerte an den ersten Ausflug der Jungmannschaft nach dem Zweiten Weltkrieg. Gemeinsam mit Fridolin Rausch ging es 1949 in die Watzmannostwand. „Er war der Leithammel der Jugend“, beschrieb es Daller, der damals 19 Jahre alt war. „Wie schnell die Zeit vergeht, das sieht man an so einem Abend“, sagte der Jubilar und bedankte sich für die Ehrung. Seine beiden Söhne Wolf-Dieter und Manfred Rausch, die die Bergbegeisterung wohl vom Vater geerbt haben, wurden für 40 Jahre Mitgliedschaft ausgezeichnet. Insgesamt ist die Familie Rausch mehr als 200 Jahre im Alpenverein.

Von den vier Mitgliedern, die für 70 Jahre Alpenvereinszugehörigkeit geehrt werden sollten, war nur Kurt Niedermayer zum Edelweißabend im Gasthof Bürgerbräu erschienen. Annemarie Perlinger, Walter Prosinger und Martha Scherbauer ließen sich entschuldigen.

Im Jahr 1949 traten Wilhelm Luff, Robert Schwarz, Elisabeth Hochgraßl-Stüber und Josef Waldinger in die Reichenhaller Alpenvereinssektion ein. „In dem Jahr sind wir das erste Mal mit dem Bus unterwegs gewesen“, erinnerte Alois Häusl die 60’er Jubilare. Haupttreffpunkt für alle Bergliebhaber war damals die Schabachalm.

Auch für die 14 Männer und Frauen, die immerhin schon 50 Jahre im Alpenverein sind, hatte Christoph Sperger wieder markante Ereignisse herausgesucht. „In der Schweiz wurde 1959 das Frauenwahlrecht abgelehnt“. „Bravo“, applaudierten einige Männer spontan. Außerdem wurde das erste Radargerät zur Geschwindigkeitskontrolle eingesetzt und der „Komödienstadl“ erstmals im bayerischen Rundfunk ausgestrahlt. Der Reichenhaller Alpenverein war viel mit der Jungmannschaft unterwegs und ins Rauriser Tal wurde mit den Skiern auf dem Gepäckträger geradelt, ergänzte Häusl.

Im Jahr 1969 wurde Richard Nixon amerikanischer Präsident, Neill Armstrong betrat als erster Mensch den Mond, in Deutschland wurde erstmals ein Herz transplantiert und in Reichenhall traten 20 neue Mitglieder in die DAV-Sektion ein. „Mit 45 Leuten haben wir in dem Jahr den ‚Scheffauer’ im Wilden Kaiser erstiegen“, berichtete Alois Häusl und ergänzt verschmitzt: „Frech waren wir schon, heute kann man so was nicht mehr machen“.

Die größte Gruppe des Abends stellten die 25er- Jubilare, die 1984 zum Verein kamen. Damals verankerte Bayern als erstes Bundesland den Umweltschutz in der Verfassung und der Sicherheitsgurt im Auto wurde Pflicht. In der Sektion waren die 80er und 90er Jahre von Klettersteigtouren geprägt. „Solange, bis wir keine neuen mehr gefunden haben“, erinnerte  Häusl.

Etwas mulmig werde ihm schon, wenn er sieht, wie viel engagierte Mitglieder „in die Jahre kommen“ und ihren Aufgabenbereich in Zukunft niederlegen werden, gestand Vereinsvorstand Christoph Sperger. „Ich hoffe, dass es uns gelingt, passende Nachfolger zu finden. Denn was mit Freude und Begeisterung aufgebaut wurde, soll auch in Zukunft Bestand haben.“

Exklusiv für das Reichenhaller Tagblatt:

 

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Fotos

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In den 50er Jahren radelte man noch mit den Skiern am Rad ins Rauriser Tal.


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Die ältesten Jubilare des Edelweißabends. vordere Reihe: Elisabeth Hochgraßl-Stüber (60 Jahre Mitglied), Robert Schwarz (60 Jahre Mitglied), Fridolin Rausch (75 Jahre Mitglied) Kurt Niedermayer (70 Jahre Mitglied). Hintere Reihe: Josef Waldinger (mitte, 60 Jahre Mitglied) mit Vereinsvorstand Christoph Sperger (r.) und Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner (l.)

 

 

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Alois Häusl führt die Seniorengruppe an und ließ mit einem ganzen Schwung Dias die alten Zeiten noch einmal aufleben.  


Fridolin Rausch wurde geboren als der Erste Weltkriegkrieg ausbrach und seine Jugendjahre waren geprägt durch die Not der Nachkriegszeit. Christoph Sperger erinnerte an die Geschehnisse aus dem Jahr 1934: beim „Juliputsch“ in Österreich wurde Bundeskanzler Dollfuß getötet, die Reichswehr wurde auf Adolf Hitler vereidigt und Albert Einstein warnte vor dem Bau einer Atombombe durch die Deutschen. „Es war sicher keine schöne Zeit“, sagte Sperger. Ins Gebirge sei man trotzdem gegangen, wusste Alois Häusl zu berichten. Beflügelt durch die beiden bekannten Bergsteiger Andreas Hinterstoißer und Toni Kurz, denen in den Berchtesgadener Alpen mehrere Erstbegehungen gelangen, brach eine regelrechte Klettereuphorie aus. Die Ausrüstung sei so einfach gewesen, „das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen“, erzählte Häusl und zeigte zur Veranschaulichung alte Aufnahmen von Ernst Baumann aus den 30’er Jahren.  
 
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